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Dienstag, 31. Januar 2023

Woher die seelischen Verletzungen kommen ...

Das Jahr 2022 endete mit einer Stille, die unerwartet kam, obgleich sie sich ankündigte wie jener eigentümliche Windstille-Moment inmitten eines Orkans, in dem die Luft plötzlich stagniert. Es fügte sich schließlich alles nach meinem Wunsch, wenngleich ich den Pfad, der dorthin führte, gewiss nicht so gewählt hätte. Eine plötzliche Krankheit befiel mich, und so gesprächig das Fieber im Inneren auch war, schenkte es mir gegen außen jene fast absolute, unangreifbare Ruhe für die gesamte Weihnachtszeit.

Mitte Dezember sagte ich zu ihm: „Ich will dieses Jahr keinen Weihnachtsbaum.“

Er fragte nach dem Warum, verlangte nach Gründen, als gälte es, einen Antrag zu prüfen.

Ich schwieg einen Augenblick. Dann sagte ich: „Wir… unsere Beziehung zum Beispiel …“

Ein kurzes, trockenes „Tja“ entwich ihm. Er würdigte mich keines Blickes, starre an mir vorbei in den Raum und versetzte: „Das ist eine sehr breite Behauptung.“ Danach kam nichts mehr. Ein tiefes, totes Vakuum. (Denn Narzissten manipulieren durch Schweigen und Gaslightning. Ich wusste damals nichts davon.)

Was hätte auch kommen sollen? Nichts weiter als das, was ich seit über einem Jahr auf den Tisch zu legen versuchte, offen, ungeschminkt und ohne Schutzschild. Doch nun war es wohl etwas zu spät dafür. Wir wussten beide längst, worum es ging. Er versuchte mir seit jeher einzureden, meine Wahrnehmungen seien bloß Gespinste, Hirngespinst und wilde Fantasie; so manipulierte er systematisch das Gefüge dessen, was wir ein gemeinsames Leben nannten. Und ich? Ich sagte mir in einer Mischung aus Geduld und Selbstbetrug: Gut, er braucht eben noch Zeit. Wir brauchen Zeit. Mal sehen, welche Lektion mir das Schicksal hier noch erteilen will.

Ich verstand das Spiel noch immer nicht in seiner gänzlichen Ausmaß. Ich hatte von Beginn an gewusst, dass diese Verbindung für ihn die Heilung bedeuten könnte. Was ich jedoch in meiner verhängnisvollen Nachsicht nicht erkannte, war die schlichte Realität: Dass ich verletzt, entleert und zerbrochen zurückbleiben werde – und dass da absolut niemand sein würde, der mir die Hand reicht, um mich aus den Trümmern zu ziehen. (und so geschah es).

Ich versuche bis heute, alles zu durchdringen, zu lernen und die Dinge in mir so umzustrukturieren, dass der Schaden nicht vollends irreparabel bleibt. 

Es war ein paradoxer Zustand: Seit fast zwei Jahren nährte er sich schon an meiner Substanz, zehrte von meiner Empathie, bedingungslosen Liebe, meiner Geduld und meiner Lebenskraft, um seine eigenen inneren Wunden zu kitten. Doch während er meine Energie wie ein Schwamm aufsaugte, stellte er sich zugleich mit einer erstaunlichen, beinahe bösartigen Sturheit quer und kämpfte mit aller Macht gegen eben jenen Genesungsprozess an, den ich ihm mit meiner Lebensfreude, Verständnis und Herzenswärme zu ermöglichen versuchte. Er nutzte mich als Nährboden für seine Heilung, verweigerte sich jedoch jeder Einsicht, wies jede Verantwortung von sich und sabotierte stur genau das, was ihn hätte retten können – während ich, leergemacht und erschöpft, am Rand seines Schauspiels zurückblieb. Ich spüre jeden seiner inneren Ausweichmanöver, trotz all seiner absurden, reflexartigen Dementis. 

Für wie ahnungslos kann man einen Menschen eigentlich halten? Man kann darüber im Grunde nur noch lachen. Ein lautes, freies, fast therapeutisches Lachen über die Absurdität dieser Inszenierung. 

Wie viel Zeit muss vergehen, bis man endlich den Entschluss fasst: So, ab jetzt werde ich verdammt noch mal glücklich sein, denn ich habe es mir schlicht verdient? Mangelnde, verweigerte Kommunikation tötet am Ende alles.

Heute vor genau zwei Jahren sprach er mich zum ersten Mal an. Es war der 31. Januar 2021, und ich ließ mich damals ohne Zögern in diesen Strudel fallen.

Nachtrag, 30. August 2026: 

Die gesamte Geschichte war von der ersten Sekunde an eine reine Illusion. Er hatte schon bei unserem allerersten Treffen Anfang Februar 2021 gelogen. Er hatte eine perfekt orchestrierte, berührende Tragödie über sein angebliches Drama parat – eine Erzählung, die so geschickt gewoben war, dass vermutlich jede Frau, die ein offenes Herz gehabt hätte, in dieses ausgelegte Netz gestürzt wäre.

Ich brauchte drei volle Jahre, um zu begreifen, dass ich mit einem Narzissten zusammen war. Anfang 2024 stolperte ich über die ganze Wissenschaft und über die ganzen Studien über Narzissten. Meine Recherchen wurden mein Lebenssinn als Heilungsmittel. Mein Verstand benötigte danach noch ein weiteres Jahr des zweifelnden Hin und Her (Trauma Bonding), um die unbarmherzige Realität dieser Persönlichkeitsstörung in einem menschlichen Wesen anzunehmen. 

Und mein Körper? Er brauchte noch einmal zwei Jahre stummer Arbeit, bis sich endlich die erste, spürbare Heilung in meinen Knochen und meiner Haut einstellte. 

Eine der zerstörerischsten Geschichten meines Lebens schreibt sich nun selbst in Büchern nieder.